Der Frauenkreis — Geschichte und Tradition eines uralten Rituals
Frauenkreise, auch als „Womens Circles“ bekannt, blühen seit einiger Zeit besonders in spirituellen Kontexten auf. Ein neues Phänomen sind sie aber nicht, sondern ein uraltes Ritual, dass in vielen Ländern der Erde natürlicher Teil der gesellschaftlichen Strukturen und bei uns über die Jahrhunderte - ganz besonders im Zuge der Hexenverfolgung - in Vergessenheit geraten ist.
Bevor ich dir allerdings davon erzähle, was es mit der Tradition des Frauenkreises auf sich hat und wie wir sie heute wieder für uns entdeckt haben, klären wir erst einmal folgende Frage.
Was ist ein Frauenkreis?
Der Frauenkreis ist ein heiliges Ritual, durch welches ein Raum geöffnet wird, in dem Du ohne Wertung teilen, zuhören und dich dadurch neu erfahren kannst.
In diesem Kreis sind alle gleich und es entsteht ein sicherer Ort, an dem Du die Dinge, die aus Deiner Seele kommen, teilen und darüber sprechen kannst. Ein Ort, an dem Du verletzlich sein und Deine tiefsten Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen teilen kannst und gleichzeitig gehalten wirst von den anderen anwesenden Frauen.
In the Circle, we are all equal. There is no one in front of you and there's nobody behind you. No one is above you, no one is below you. The Circle is Sacred because it is designed to create Unity.
— Lakota Wisdom
Im Frauenkreis selbst gibt es keine konkreten Ratschläge oder Versuche, eine Frau aus dem zu retten, was sie während des Kreises durchlebt. Die Frauen versammeln sich einfach, um zu bezeugen, zu hören und um Raum zu halten. Daraus entsteht eine unglaublich kraftvolle Energie, von der die meisten Frauen, wenn sie zurück in ihren Alltag gehen, noch Tage oder Wochen später zehren können.
Woher kommt die Tradition des Frauenkreis?
Überall auf der Welt kommen Frauen im Kreis zusammen und erinnern jede für sich, aber auch alle miteinander ihre weibliche Kraft. Doch auch wenn es vielleicht so scheinen mag, ist der Frauenkreis keine neumodische Erfindung unserer heutigen Zeit, sondern eine jahrtausendealte Tradition, die in den letzten Jahren erfreulicherweise wieder neu auflebt.
Der Kreis ist seit Anbeginn der Zeit ein heiliges Symbol, das für Einheit, Vollkommenheit und das Göttliche steht, denn er hat keinen Anfang und kein Ende und erinnert damit an die Unendlichkeit.
Der Kreis als Symbol steht außerdem für die Sonne, für Mutter Erde und damit auch für die weibliche Kraft. Durch das Zusammenkommen im Kreis entsteht ein heiliger, geschützter Raum, in dem es keine Hierarchie gibt. Jede und Jeder findet hier seinen Platz und bringt damit sein ganz eigenes mit in den Kreis.
Bereits in der Antike versammelten sich Frauen in Kreisen und kamen zusammen, um in dieser geschützten Atmosphäre zu kochen, Geschichten und Erfahrungen auszutauschen, zu lernen, Weisheiten weiterzugeben, Gedanken, Ideen und Gebete zu teilen, zu singen, zu tanzen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Sie fanden in diesen regelmäßigen Kreisen einen Rückzugsort, an dem sie sich zeigen und fallen lassen konnten. Ob während der Menstruation, nach einer Geburt, während der Wechseljahre oder nach dem Tod eines geliebten Menschen. An diesem geschützten Ort begegneten sich Frauen allen Alters ganz unabhängig von ihrer Herkunft und tauschten sich über das aus, was sie tief bewegte.
Neben dem Austausch waren auch gemeinsame Zeremonien und Rituale von großer Bedeutung und besonders die Muttergottheiten der römischen, germanischen und keltischen Religionen wurden im Frauenkreis geehrt und in das Kreisgeschehen integriert. So standen die Muttergottheiten in enger Verbindung mit der Erde und wurde daher auch als Draht zum Großen Ganzen gesehen und zelebriert.
„Diese rituellen Zusammenkünfte waren besonders in alten, matriarchal organisierten Kulturen von besonderer Bedeutung, denn hier lernten Mädchen und junge Frauen alles über ihre Rolle innerhalb der Gemeinschaft. Hier teilten sie ihre Weisheiten und Geheimnisse miteinander und gaben wichtiges Wissen über die Geburtshilfe und die Pflanzenheilkunde von Frau zu Frau weiter.“
So wurden die jungen Mädchen auf ihrem Weg ins Frausein begleitet und in ihrer Rolle als junge Frau gestärkt. In bestimmten Traditionen hielten sich Frauen außerdem zu Beginn jedes neuen Mond- und Menstruationszyklus in roten Zelten oder sogenannten Mondhütten auf und teilten auch dort weibliche Qualitäten, Weisheiten und Geheimnisse miteinander. Auch diese Roten Zelte waren heilige Orte, an denen Frauen in ihrem Sein gewürdigt wurden, sich ausruhen und unabhängig ihres Alters miteinander verbinden konnten.
Anders als vielleicht angenommen, dienten und dienen Frauenkreise damals wie heute, allerdings nicht nur der Stärkung der Frau, sondern nahmen auch Einfluss auf das Zusammenleben von Frau und Mann und damit auch auf die Gemeinschaft. So dienten die Zusammentreffen im Kreis (für Männer gab es das nämlich genauso) auch der Stärkung des jeweiligen Geschlechts, was für die Stabilisierung und Harmonisierung der gesamten Gemeinschaft sorgte.
Heute gibt es nur noch wenige solcher historisch gewachsener matriarchalen Kulturen, dennoch steigt das Bewusstsein für die weibliche Energie seit einiger Zeit spürbar an. Und so suchen Frauen auf der ganzen Welt instinktiv nach wahrhaftiger Verbindung und Gemeinschaft im Kreis anderer Frauen und kehren damit zu den alten Traditionen zurück, die uns in der Vergangenheit als Frauen, Mütter und Schwestern zusammengeführt haben.
Frauenkreise heute —
die kollektive Erinnerung an die weibliche Kraft erwacht
Und mit ihr der tiefe Wunsch und die Sehnsucht danach sich gegenseitig zu feiern, zu ermutigen, zu bestärken und zu inspirieren. Und dies tun wir, wenn wir im Kreis zusammen kommen. Wir zeigen uns wahrhaftig. Mit dem was uns bewegt und beschäftigt. Wir beginnen uns in unser Licht zu stellen und das was wir in der Vergangenheit unterdrückt und versteckt haben, als unser persönliches Geschenk für die Welt anzuerkennen und schließlich auch mit dieser zu teilen.
Wir ehren und zelebrieren unsere weiblichen Qualitäten, die in unserer Gesellschaft oft nur wenig Raum einnehmen können und bestärken uns gegenseitig darin weich mit uns selbst zu sein, was in unserem sonst oft so lautem und fordernden Alltag schnell in Vergessenheit geraten kann.
Frauenkreise ermöglichen uns eine Auszeit aus unserem schnelllebigen, nach Außen orientierten Alltag. Sie schenken uns Raum, um innezuhalten und auf magische Art und Weise die Verbindung zu unserer eigenen Weiblichkeit und damit die Kraft unseres Frauseins zu spüren.
So dient uns ein Frauenkreis nicht nur als Ort des Rückzugs, sondern zugleich als Quelle, um Kraft zu sammeln, was sich unmittelbar auf unseren Alltag und unsere Beziehungen auswirkt. Somit dient das Zusammenkommen im Kreis also nicht nur uns selbst, sondern auch unserer Familie, der Gemeinschaft und damit schließlich auch der Erde.
Als zyklische Wesen, die eng mit dem Mond und den Zyklen der Natur verbunden sind, verbinden wir uns im Kreis nicht nur mit uns selbst und den anderen Frauen, sondern auch unserem eigenen Zyklus und bringen so wieder in Einklang was oft in Vergessenheit geraten ist. Nämlich, dass wir Teil der Natur und Teil des großen Ganzen sind. Nehmen wir diese Erkenntnis mit in unseren Alltag, kommen für Stück für Stück zurück in unsere Kraft und spüren uns ganz anders in unserem Körper und auf dieser Erde zuhause.
Schwesternschaft statt Schwesternwunde
Frauenkreise schenken uns also die Möglichkeit (wieder) die Verbindung herzustellen und uns verbunden zu fühlen. Mit uns selbst, aber auch mit den Frauen, denen wir im Kreis begegnen. Dieses Gefühl des Verbundenseins tragen wir auch über die Treffen hinaus in uns und kultivieren dadurch gelebte Schwesternschaft.
„Wenn eine Frau wieder in ihrem Licht scheint, gibt sie auch anderen Frauen die Erlaubnis dasselbe zu tun. Wir beschenken uns mit bedingungsloser Liebe, heilen einander und damit auch die Wunden der Schwesternschaft.“
So lernen wir im Frauenkreis wieder was es bedeutet uns gegenseitig zu unterstützen und in unsere Kraft zu finden. Dazu gehört es auch unsere Masken fallen zu lassen und uns verletzlich zu zeigen. Wir werden weich mit uns selbst und miteinander und üben uns jedes Mal aufs Neue darin zu vertrauen, loszulassen, ins Fließen und in die Annahme zu kommen.
Frauenkreise können also durchaus als Ort der Heilung gesehen werden und tragen dazu bei, dass die Schwesternwunde, die viele Frauen in sich tragen Heilung erfährt. So kann im Kreis die Angst vor anderen Frauen bzw. viel mehr die Angst vor unserer eigenen Kraft Schicht für Schicht abgelegt werden und gelebte Schwesternschaft an ihrer Stelle aufblühen.
Die Magie des Frauenkreises
Teil eines Frauenkreises zu sein und gemeinsam mit anderen Frauen in die eigene Weiblichkeit und das Frausein einzutauchen, ist wie du vielleicht auch schon selbst erfahren hast ein wahrhaftiges und unbezahlbares Geschenk, welches uns zutiefst erfüllt und nährt. Wir begegnen unserem Alltag mit Freude, sind verbunden mit unserer eigenen Schöpferinnenkraft und können dadurch wahre Wunder vollbringen.
„Frauen kommt zusammen und feiert das Leben! In voller Vorfreude auf das nächste Zusammentreffen mit deinen Schwestern im Kreis, denn in eurer gemeinsamen Reise werdet ihr Stück für Stück wachsen. Jede für sich und als Teil des großen Kreises.“
In diesem Sinne wünsche ich jeder Frau eine feste Schwesternschaft, in der sie entspannt in ihrer Mitte ankommen, sich mit ihrem Körper verbinden, sich ihrer einzigartigen Qualitäten gewahr werden und tiefe Verbindung und Schwesternschaft auch über den Kreis hinaus erfahren kann.
Deine Steffi
Wenn du dich besonders dafür interessiert, wie du selbst einen Frauenkreis initiieren und halten kannst, dann schau gerne, ob meine „Hüterin des Frauenkreis“ Ausbildung das Richtige für dich sein könnte.